Archive for Juli, 2009

Microsoft und Yahoo gründen eine Allianz

Schon seit längerer Zeit versuchten Microsoft und Yahoo eine Partnerschaft zu gründen, um im Bereich der Internet-Suchmaschinen dem Marktführer Google Marktanteile weg zu nehmen. Nun wurde die Zusammenarbeit und strategische Allianz aber letztendlich auch besiegelt. Für Yahoo könnte dieser „Deal“ allerdings auch Nachteile haben, vor allen Dingen dann, wenn der erhoffte Erfolg nicht eintreten sollte. Yahoo muss zum Beispiels eine eigene Suchmaschine aufgeben, da in Zukunft die Suchmaschine „Bing“ von Microsoft genutzt werden soll. Ganz perfekt ist der Deal übrigens noch nicht, weil die US-Kartellbehörden noch zustimmten müssen. Aufgrund der bisherigen „Übermacht“ von Google im Bereich der Suchmaschinen dürfte hier allerdings kein größerer Widerstand zu erwarten sein. Der gesamte Vorgang, also der Zusammenschluss von Microsoft und Yahoo im genannten Bereich, soll innerhalb von zwei Jahren erfolgen. Durch diese Allianz ist der Markt im Bereich Suchmaschinen zumindest in den USA nahezu völlig zwischen Google und der neuen Allianz aufgeteilt. Bisher verfügen Yahoo und Microsoft zusammen über einen Marktanteil von knapp 30 Prozent, während Google bei rund 65 Prozent liegt. In Deutschland liegt der Marktanteil von Google sogar bei knapp 80 Prozent (Erhebung der Nielsen Media Research bei exakt 78,7 Prozent).

Ob sich der erhoffte Erfolg der Allianz Yahoo und Microsoft auf Dauer einstellen wird, bleibt abzuwarten. Als sicher gilt zumindest, dass das Angebot von Microsoft/Yahoo nun für Anzeigenkunden deutlich interessanter werden soll. Ob allerdings auch der Verbraucher seine Gewohnheiten umstellen wird, ist doch im Allgemeinen sehr kritisch zu bewerten. Google ist in den meisten Ländern, gerade auch in Deutschland mit einem Marktanteil von über 75 Prozent, nicht nur eine Suchmaschine, sondern vielfach bereits DAS Synonym für das Suchen im Internet an sich. Wenn man sich zum Beispiel mit Bekannten darüber unterhält, wo man etwas im Internet suchen und finden kann, dann wird selten gesagt „Ich suche mal eben im Internet“, sondern oftmals lautet die Aussage dann „Ich google mal eben“. Das Wort der „Suche“ wird also schon vielfach durch „Google“ ersetzt. Diesen Effekt sollte man nicht unterstützen, denn für den Privatnutzer besteht zunächst einmal überhaupt kein Anlass, von Google nach Yahoo/Microsoft zu wechseln. Was man gewohnt ist und was gut funktioniert – warum sollte man das ändern? Wenn man die Allianz also insgesamt bewerten möchte, dann ist es vielleicht sogar der einzig mögliche Weg, wie man dem Branchenprimus Google überhaupt Marktanteile abnehmen könnte. Wichtig wird für Yahoo / Microsoft sein, dass man überzeugende Innovationen im Bereich der Suchmaschine entwickelt, denn ein reines „kopieren“ von Google wird sicherlich nicht zum gewünschten Erfolg führen.

Weitere Beiträge zum Thema Bing:
Yahoo sucht künftig mit Microsofts Bing
Microsoft und Yahoo – Jetzt hat es Bing gemacht
Allianz gegen Google: Yahoo stellt auf Bing um
Yahoo setzt in Zukunft Microsofts Suche ein
Microsoft und Yahoo kooperieren – die Schlacht hat begonnen

BayernLB in Spendierlaune

Gestern wurde bekannt, dass die angeschlagene Landesbank Bayern (BayernLB) bzw. dessen Vorstand den Mitarbeitern gerne für das laufende Geschäftsjahr am Ende des Jahres einen Bonus zahlen möchte. Ein Arbeitgeber, der seinen Mitarbeitern freiwillig einen Bonus zahlt – das hört man heutzutage eher selten. Sicherlich wäre diese Maßnahme auch begrüßenswert, wenn nicht eben diese BayernLB nur noch aufgrund einer Finanzspritze des Bundeslandes Bayern in Höhe von 10 Milliarden Euro aus dem letzten Jahr existieren würde. Man erzielt also im vergangenen Jahr einen Verlust von rund fünf Milliarden Euro, bekommt dann als Rettung vom Freistaat Bayern ein „Geschenk“ von 10 Milliarden Euro und zusätzlich noch eine weitere Bürgschaft über knapp fünf Milliarden Euro und spendiert Teile dieses Geldes indirekt an die Mitarbeiter? Irgendjemand hat hier einen gewaltigen Fehler im logischen Denken, was auch viele Politiker sofort erkannt haben und scharfe Kritik an diesem Vorhaben geäußert haben. Eigentlich lernt man es schon im Kindergarten: Wer viele Äpfel geerntet hat, mehr als erwartet, kann auch mal einen Apfel verschenken. Die BayernLB verschenkt allerdings mit dem Bonus Äpfel, die nicht nur nicht vorhanden sind, sondern die man sich vom Steuerzahler geliehen hat.

Es findet also quasi einen Umverteilung statt: Der Steuerzahler muss zahlen, die Mitarbeiter der BayernLB bekommen den Bonus. Vielen Bürgern war sicherlich bisher nicht bekannt, dass sie das Gehalt der Mitarbeiter einer Bank zahlen, aber es scheint durchaus so zu sein. Der Vorstand der BayernLB verteidigt sein Vorhaben übrigens damit, – wie sollte es auch anders sein, denn Einsicht kommt im Vokabular von manchen Vorständen schon lange nicht mehr vor – dass man die Mitarbeiter motivieren müsse und nicht schon im zweiten Jahr in Folge auf Bonuszahlungen als Anteil des Gesamteinkommens verzichten könne. Motivationshilfe? Dieser Begriff erscheint etwas paradox, wenn man bedenkt, dass die Mitarbeiter der BayernLB sich ohne die staatlichen Hilfen bereits seit Monaten alle um einen neuen Job hätten kümmern müssen, den garantiert viele noch nicht gefunden hätten. Ist es heute nicht mehr genug Motivation, noch einen ohnehin sehr gut bezahlten Job zu haben? Oder sind die „Mitarbeiter“ nur ein Vorwand, denn auch der Vorstand zählt natürlich zu den Mitarbeitern, und dessen Bonus dürfte nicht gerade gering sein. Alles in allem reiht sich diese geplante Aktion der BayernLB in die Unglaublichkeiten der jüngsten Vergangenheit ein. Ex-Vorstände, die ihr Unternehmen in den Ruin getrieben haben, erhalten Abfindungen in Millionen-Höhe oder Bonuszahlungen, Banken entlassen trotz massiver Gewinne Mitarbeiter, und jetzt werden eben Boni vom Geld des Steuerzahlers an Mitarbeiter ausgeschüttet – was solls auch, auf die paar Milliarden Staatsschulden mehr oder weniger kommt es doch nicht mehr an, oder (Ironie) ?!

Mehr zum Thema “BayernLB”:
BayernLB verzockte 6 Mrd – Huber zurückgetreten
Tochterbank der BayernLB braucht 700 Millionen Euro
BayernLB 2008 mit Nettoverlust von mehr als 5 Milliarden Euro
BayernLB wünscht sich ein Rettungspaket und prüft Kapitalbedarf
Glückwunsch an die BayernLB

Schlecker im Fadenkreuz

Von der Drogeriemarkt-Kette Schlecker ist man aus der Vergangenheit heraus schon negative Schlagzeilen gewöhnt. Schon öfter wurde in den Medien über zum Teil unzumutbare Verhältnisse für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen berichtet. Seit einigen Monaten ist nun Schlecker damit beschäftigt, sich von kleinen und unrentablen Filialen zu trennen. Diese werden teilweise durch die neuen Schlecker XL-Märkte ersetzt. Wo man zunächst vermuten könnte, dass Schlecker nun mit einem neuen Konzept verlorene Marktanteile durch andere Produkte oder sonstige Innovationen wieder zurück gewinnen möchte, stellt sich immer mehr heraus, welches Ziel die Unternehmensführung anscheinend in erster Linie mit den neuen Filialen und dem neuen Namen „Schlecker XL“ verfolgt. Wurde schon zuvor im Februar diesen Jahres darüber berichtet, dass die Quote der Abmahnungen bei der Drogeriemarkt-Kette im Vergleich zu anderem Unternehmen der Branche relativ hoch ist, so scheint Schlecker nun einen „leiseren“ Weg finden zu wollen, „ungeliebte“ Mitarbeiter los zu werden. Dabei bedeutet „ungeliebt“ nicht einmal fachlich nicht ausreichend qualifiziert oder motiviert, sondern anscheinend in erster Linie einfach nur „zu teuer“.

Während Schlecker im Jahre 2008 einen Umsatzrückgang von rund drei Prozent verbuchen musste, sind die Zahlen von Konkurrent „dm“ mit 11,4 Prozent und Rossmann mit plus 10,3 Prozent deutlich positiver. Was man sich nun bei Schlecker überlegt hat ist Folgendes: Man gründet eine GmbH, die man vom bisherigen Unternehmen Schlecker rechtlich trennt und nun als „Schlecker XL“ Märkte bezeichnet. In Folge dessen kann man die Mitarbeiter aus den „alten“ Schlecker Filialen entlassen und muss diese auch nicht in die neuen Schlecker XL-Märkte übernehmen. Vorteil: Statt einen bisherigen Stundenlohn von rund 8-10 Euro zu zahlen, strebt Schlecker nach Berichten und Aussagen einiger Mitarbeiter nun einen kontinuierliche Bezahlung von rund 4-5 Euro in der Stunde an. Damit wird die Mindestlohnregelung aufgrund der fehlenden Tarifbindung umgangen. Unterstützt wird die Theorie, dass der Hauptgrund für diese neu geschaffene GmbH eben genau darin besteht, relativ „gut“ bezahlte Mitarbeiter durch deutlich schlechter bezahlte neue Mitarbeiter zu ersetzen, durch die Tatsache, dass das Sortiment in den neuen Schlecker XL Märkten fast identisch mit dem bisherigen Sortiment der „normalen“ Schlecker-Märkte ist. Ferner werden die neuen Märkte nicht selten am identischen Standort wieder aufgebaut. Wenn man nun bedenkt, dass ein Markt mit durchschnittlich fünf Mitarbeiterinnen im Monat durch die „Lohnkürzung“ rund 4.000 Euro monatlich an Personalkosten sparen kann, werden sich auch die Um- oder Neubaumaßnahmen der jeweiligen Filiale schnell rentiert haben.

Natürlich wird der Druck auf die Mitarbeiter durch die getroffenen Maßnahmen noch mehr erhöht, ohnehin ist die Anzahl der Zeitarbeiter bei Schlecker in der Vergangenheit schon stark gestiegen. Daher werden sich viele Mitarbeiterinnen leider darauf einstellen müssen, durch einen Vollzeit-Job bei Schlecker nicht genug zum Bestreiten des Lebensunterhaltes verdienen zu können. Daher werden nicht wenige Mitarbeiter zusätzlich noch Wohngeld oder Hartz4 beantragen müssen. Grundsätzlich ist es ein Skandal, dass solch ein Lohn-Dumping in Deutschland möglich ist. Man kann aber natürlich auch die Mitarbeiter verstehen, die Angst um ihren Job haben und sich dagegen nicht wirklich wehren können. Zumindest der Kunde und Verbraucher hat noch Möglichkeiten, seinen Unmut über solche Vorgehensweisen durch Taten zu äußern, denn glücklicherweise ist Schlecker kein Monopolist in seiner Branche!

P.S.
“Nach eigenen Angaben der SCHLECKER XL GmbH bewegt sich der Stundenlohn für ihr Verkaufsstellenpersonal zwischen 6,78 Euro und 13,- Euro und liegt somit sogar über den Stundenlöhnen einschlägiger Mitbewerber.”