Archive for Juli, 2009

Bundesgesundheitsministerin ins Sommerloch gefallen

Das Sommerloch, in das die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt gerade gefallen ist, könnte für sie im schlimmsten Fall sogar nun zu einem schwarzen Loch werden und ihre Karriere beenden. Auch wenn oftmals zu Recht an vielen Politikern Kritik geübt wird, ist es in diesem Fall so, dass man auch mal im wahrsten Sinne des Wortes Partei für eine Politikerin ergreifen sollte. Worüber wird sich eigentlich gerade so aufgeregt? Das Politiker in führenden Postionen ihren Dienstwagen auch für private Zwecke nutzen, ist zum einen völlig legal, zum anderen auch schon seit vielen Jahren bekannt und praktiziert. Gleiches gilt übrigens nicht nur für Politiker, sondern bis auf einige Ausnahmeregelung darf jeder Vorstand einer kleinen Volksbank oder Sparkasse seinen Dienstwagen auch privat nutzen, von den Managern und Abteilungsleitern größerer Unternehmen ganz zu schweigen. Das Entscheidende ist doch, dass die privaten Fahrten mit dem Dienstwagen auch privat abgerechnet und zu zahlen sind, und das scheint wohl bei Ulla Schmidt der Fall gewesen zu sein. Falls ein Fahrtenbuch geführt wurde, in dem die Urlaubsreise nach Spanien auch privat abgerechnet wird, wo genau ist dann das Problem?

Das Problem liegt in diesem Fall wohl eher darin, dass die Medien mal wieder tief im Sommerloch stecken und nichts anderes zu berichten haben. Die USA ist mit Obama richtig „langweilig“ geworden und führt keine Kriege mehr (Ironie), die Atombombe im Iran scheint auch schon wieder nicht mehr berichtenswert zu sein – also stürzt sich die Presse national mal wieder auf die Politiker. Es ist wirklich ziemlich traurig zu sehen, wie Journalisten mitunter die Karriere von anderen zerstören, nur um selber eine Existenzberechtigung zu finden. Es ist sicherlich wichtig und notwendig, Missstände aufzudecken und Kritik zu üben, wenn es berechtigt ist. Aber der Fall Schmidt zeigt mal wieder, wie aus einer Mücke ein Mammut gemacht wird. Dieses führt jetzt sogar soweit, dass sich der Bundestag generelle mit der Dienstwagen-Regelung beschäftigen muss, als gäbe es in diesen Zeiten der Wirtschaftskrise und steigenden Arbeitslosenzahlen nichts Wichtigeres zu tun. Erschreckend ist übrigens auch mal wieder zu sehen, wie schnell wir Bundesbürger auch solche Kritiken und vermeidliche Skandale „anspringen“. Nach einer aktuellen Umfrage fordern 90 Prozent (!) der Bundesbürger nun den Rücktritt von Frau Schmidt. Und warum? Weil sie ihren Dienstwagen völlig legal auch privat genutzt hat. Wo bitte bleibt hier die Logik und auch die Gerechtigkeit? Über eine Kassiererin, die wegen eines unterschlagenen Pfand-Bons entlassen wurde, da regt man sich unheimlich auf, wie ungerecht dieses doch sei. Tatsache ist allerdings, es handelt sich dabei um Unterschlagung, ganz einfach, und dabei darf auch keine Rolle spielen, ob man eine Cent oder eine Millionen Euro unterschlägt, die Tat bleibt die gleiche.

Aber es ist natürlich auch zu viel verlangt, sich einfach erst einmal nur 10 Minuten mit dem Thema zu beschäftigen, „drauf hauen“ , besonders wenn es um eine Politikerin geht, ist da natürlich viel einfacher und populärer. Armes, oftmals von Neid und Missgunst zerfressenes Deutschland!

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Zahlungsmoral der Versicherer auf Tiefststand

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat nicht nur die Banken schon längst erreicht, sondern offensichtlich sind auch immer mehr Versicherungen davon betroffen. Auch hier sind oftmals massive Fehlinvestitionen am Kapitalmarkt die Ursache, was insbesondere natürlich für die Lebensversicherer zutrifft, die das Kapital der Versicherten anlegen. Aber auch die Schadensversicherer wie die Hausrat- oder Haftpflichtversicherungen scheinen in der Krise zu stecken. Dieses merkt man vor allen Dingen daran, dass die Zahlungsmoral der Versicherer im Durchschnitt abnimmt. Mit Zahlungsmoral ist in diesem Fall gemeint, dass vereinbarte Leistungen oftmals nur noch nach hartem „Kampf“ mit dem Versicherten, oder auch gar nicht, erbracht werden, indem die Kosten für einen Schadensfall nicht übernommen werden, der Schaden also nicht bezahlt wird. Mitunter müssen Versicherte heute sogar, so paradox das klingen mag, zum Beispiel ihre eigene Rechtsschutzversicherung verklagen, weil diese die vertraglich zugesicherte Leistung nicht übernehmen will. Hat man bis vor einiger Zeit in dem Medien vor allen Dingen von Fällen gehört, in denen Krankenversicherungen bestimmte Behandlungen nicht zahlen wollten, so scheint sich diese Leistungsverweigerung auch immer mehr auf die restlichen Versicherungsarten auszubreiten.

Ein aktuelles Beispiel kommt beispielsweise aus dem Bereich der Kaskoversicherung. Es wurde ein Fahrzeug eines Versicherten gestohlen, was zunächst nichts Außergewöhnliches ist. Als das Fahrzeug allerdings dann nach einigen Tagen gefunden wurde und der relativ wertvolle Inhalt natürlich verschwunden war, wurden an den Türen des Fahrzeuges keinerlei Aufbruchspuren festgestellt. Was macht die Versicherung? Statt einen Sachverständigen zu beauftragen, was ansonsten inzwischen schon bei jedem kleinen gemeldeten Kaskoschaden üblich ist, wird die Leistung verweigert. Nur weil der Versicherte in Eigenregie einen Gutachter mit dem Fall beauftragte, konnte festgestellt werden, dass die Funkfrequenz des Funkschlüssels zum Schließen der Wagentüre mittels eines CB-Funkgerätes bewusst vom Dieb gestört wurde. Der Besitzer dachte also, dass Auto wäre verschlossen, was nicht der Fall gewesen ist.

Ähnlich ist das Vorgehen von nicht wenigen Versicherungen auch seit einiger Zeit im Bereich Hausratsversicherung. Auch hier gilt: Nicht großartig nachforschen, sondern besser die Leistung sofort verweigern. Mittlerweile geht das mitunter sogar soweit, dass selbst die in einem Haushalt üblichen Geräte und Einrichtungsgegenstände bei einem Schaden nicht ersetzt werden, wenn man nicht anhand der Kaufrechnung und Fotos beweisen kann, dass diese Gegenstände in der Wohnung vorhanden waren. Wer bitte bewahrt die Rechnung für jeden Toaster, für jedes Möbelstück und jeden Vorhang auf, oder wer fotografiert jedes einzelne Kleidungsstück um im Schadensfall beweisen zu können, diese Sache auch wirklich besessen zu haben? Natürlich wird dieses Misstrauen der Versicherer auch durch nicht wenige Betrugsfälle geschürt, aber dieses darf natürlich nicht auf Kosten der ehrlichen Versicherten gehen. Man muss sich seitens des Versicherers schon noch Mühe geben, auch wenn es ein Kostenfaktor ist, den jeweiligen Sachverhalt aufzuklären, denn auch das gehört zu den vertraglich festgelegten Pflichten eines Versicherers. Im Schadensfall hat man als Versicherter übrigens immer ein Sonderkündigungsrecht, wovon man auch schnell Gebrauch machen sollte, wenn die Versicherung eine zustehende Leistung nicht erbringt. Nur über den Wettbewerb können solche Verhaltensweisen einiger Versicherer vielleicht gestoppt werden.

Bye Bye Porsche!

Am gestrigen Donnerstag wurde offiziell bestätigt, dass der Volkswagen Konzern den Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche übernehmen wird. Worüber bereits seit Wochen spekuliert wurde, ist nun – vor allen Dingen für die Mitarbeiter von Porsche und deren ehemaligen Chef – traurige Wahrheit geworden. Sehr emotional war auch die „Pressekonferenz“, in der Wendelin Wiedeking seinen Rücktritt bekannt gegeben hat. Bei aller Schelte von Managern dieser Tage sei an dieser Stelle einmal gesagt, dass mit Herrn Wiedeking endlich mal ein wirklich fähiger Mann an der Spitze eines Großunternehmens gewesen ist, der aus dem maroden Unternehmen Porsche innerhalb von gut 10 Jahren eine gesunde Automarke machte. Traurig ist aber auf jeden Fall, dass mit Porsche ein weiteres Traditionsunternehmen in Deutschland seine Eigenständigkeit aufgibt. Inwieweit das Unternehmen Porsche im Volkswagen Konzern relativ autark bleiben kann, bleibt noch abzuwarten, und wird ohnehin letztendlich von der Entscheidung des „allmächtigen“ Herrn Piech abhängen. Die Frage, die sich ebenfalls stellt, ist die nach der Professionalität auf höchster Ebene. Ein kurzer Rückblick: Noch vor nicht allzu langer Zeit hatte Herr Wiedeking vor, mit Porsche den Volkswagen Konzern zu übernehmen, was bekanntlich relativ „kläglich“ gescheitert ist und ganz nebenbei den Aktienmarkt bzw. den Derivatemarkt für einige Tage völlig aus dem Ruder geworfen hatte.

Jetzt hat Herr Piech des Spieß umgedreht und mit Volkswagen den Automobilhersteller Porsche übernommen. Man kann sich nicht ganz vor dem Eindruck flüchten, dass es hier nicht nur um wirtschaftliche Interessen ging, sondern um die Bestrafung eines Mannes, der den Volkswagen-Herrscher Piech „ankratzen“ wollte. Vielleicht fällt vielen Bürgern in diesem Zusammenhang auch der Vergleich zu zwei spielenden Jungs im Sandkasten an, die sich um ein Spielzeug Auto streiten, nur mit dem Unterschied, dass es in diesem Fall entsprechend dem Alter der Kontrahenten um echte Autos ging. Für Insider mag diese Übernahme sogar Sinn machen, denn neben der Nobelmarke Bentley, der gehobenen Marke Auto, dem Spanier Seat und einigen weiteren von nun insgesamt zehn Marken unter dem Volkswagen Dach, fehlte natürlich noch ein deutscher Sportwagen-Hersteller neben den Italienern Lamborghini und dem Franzosen Bugatti in der Sammlung. Dennoch sind natürlich die Mitarbeiter von Porsche nahezu allesamt und völlig verständlicher Weise sehr betrübt, denn natürlich geht ein großer Teil der Eigenbestimmung von Porsche nun verloren. Noch einen Tag zuvor konnte man mit breiter Brust sagen „Ich bin bei Porsche bechäftigt“. Nun muss es heißen „Ich arbeite bei Volkswagen“ – ob das ebenfalls so „toll“ klingt?

Grundsätzlich ist es natürlich aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, wenn sich Konzerne zusammen schließen, damit sie am Weltmarkt durch mehr Marktanteile und der gewachsenen Größe an sich bessere Chancen haben. Allerdings ist besonders in den letzten Jahren insgesamt festzustellen, dass die Übernahme von sehr großen Unternehmen fast zum Alltag geworden ist. Mit das jüngste Beispiel ist die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank. Das auch nach solchen Übernahmen die Existenz keineswegs sicher ist, zeigt das Beispiel Arcandor, denn die Übernahme von Karstadt ist auch noch nicht so lange her. Für den Verbraucher haben solche Groß-Übernahmen nicht unbedingt Vorteile, im Gegenteil, es wird immer ein Stück Wettbewerb aus dem Markt genommen. Man nehme nur den Bereich Kaufhäuser als Beispiel: Noch vor zehn Jahren gab es hier viele Konkurrenten, zum Beispiel Kaufhof, Karstadt, Hertie, Quelle, Woolworth etc.. Von diesen Kaufhäusern ist faktisch heute nur noch ein Anbieter am Markt „übrig“ geblieben, nämlich der Kaufhof. Woolworth ist pleite, ebenso Hertie, und Karstadt und Quelle sind mehr oder weniger ebenfalls insolvent. In der Praxis ist der Kaufhof also nahezu zu einem Monopolisten geworden.

Glücklicherweise gibt es aber heutzutage nicht nur die Möglichkeit, im Kaufhaus einzukaufen, sondern man findet sie dort angebotenen Waren auch anderweitig, sei es im Einzelhandel in kleineren Geschäften oder im Internet. Somit dürfte nicht zu befürchten sein, dass zum Beispiel der Kaufhof nun seine Monopolstellung durch höhere Preise ausnutzen könnte. Um auf Porsche zurück zu kommen: Natürlich ist durch die Übernahme durchaus keine Monopolstellung von Volkswagen zu befürchten, das steht wohl aufgrund der immernoch ausreichend am Markt vorhandenen Konkurrenz fest. Dennoch ist alleine am Beispiel Volkswagen ebenfalls deutlich zu sehen, wie immer mehr bekannte Automarken unter einem Dach „vereinheitlicht“ werden, sei es eben Porsche, Seat, Audi, Bentley, Bugatti, Skoda, Scania und Lamborghini. Wie es nun mit Porsche konkret weitergehend wird, muss die Zeit zeigen. Vorerst werden aber viele Menschen nur etwas wehmütig sagen können: Bye Bye Porsche!

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