Archive for Juli, 2009

Arbeiten wir bald alle bis zu unserem Tod?

Es gibt nicht wenige Menschen, die sich Unsterblichkeit wünschen. Zu dieser Vielzahl von Menschen ist mit Sicherheit am gestrigen Dienstag noch mindestens eine Person hinzu gekommen, nämlich ein Mitarbeiter der Bundesbank. Dieser ließ tatsächlich verlauten, dass man in gut 50 Jahren das Rentenalter nochmals erhöhen müsse, und zwar bis zum 69. Lebensjahr. Würde man nun unsterblich sein, wäre doch hier ein deutlich höheres Potential gegeben, warum dann also nicht arbeiten bis man 100, 200 oder 300 Jahr alt ist? Oder um es aus heutiger Sicht zu sagen: Nur bis 69? Warum denn nicht einfach so lange arbeiten, bis man stirbt oder voll erwerbsunfähig ist und sich entweder körperlich kaum noch bewegen kann oder geistige Störungen hat. Etwas stutzig macht einen an solchen Vorschlägen oftmals, neben vielen anderen Merkwürdigkeiten, dass diese fast immer von Personen kommen, die in der glücklichen Lage sind, aufgrund ihres – nennen wir es mal: körperlich nicht besonders anstrengenden Jobs (Bundesbank)- überhaupt die Rentenzeit bis zum 65. Lebensjahr erfüllen zu können. Zwei Drittel aller Bundesbürger erreichen heutzutage gar nicht mehr die Rentenzeitgrenze von 65 Jahren, sondern sind bereits deutlich vorher berufsunfähig, arbeiten nur noch Teilzeit oder sind bereits im Vorruhestand. Und die wenigen Menschen, die wirklich körperlich und geistig noch so fit sind, dass sie es bis zum 65. Lebensjahr schaffen zu arbeiten, die sollen nun in Zukunft noch vier Jahre länger arbeiten?!

Das Leben ist kein Wunschkonzert, dass weiß wohl inzwischen Jeder. Aber muss man denn wirklich nur noch leben um zu arbeiten, oder sollte die Devisen nicht eigentlich lauten: Arbeiten um leben zu können? Es ist sicherlich kein schönes Gefühl, wenn man gerade mit durchschnittlich 22 Jahren seine Berufsausbildung abgeschlossen hat, in den Beruf einsteigt und weiß, man muss nun noch 47 Jahre arbeiten, bevor man in den dann sicherlich mehr als wohlverdienten Ruhestand gehen kann. Einmal von den moralischen und emotionalen Faktoren abgesehen: was bringt denn eine theoretische Rentengrenze von 69 Jahren, wenn in der Praxis schon jetzt beim Eintrittsalter von 65 Jahren nur noch ein Drittel aller Arbeitnehmer in Vollzeit beschäftigt sind? Da die Menschen ab 65 Jahren sicherlich nicht gesünder werden, dürften dann Schätzungen zufolge noch tatsächlich rund 10-15 Prozent das dann geltende Renteneintrittsalter von 69 Jahren überhaupt erreichen können. Ferner bedeutet das auch, auf Arbeit wartende Bürger, wie Arbeitslose oder Personen mit gerade abgeschlossener Ausbildung, müssten dann mal eben vier Jahre länger warten, bis sie den Arbeitsplatz eines ausscheidenden Rentners einnehmen können. Selbst die Politiker, die ansonsten auch schon einmal für Vorschläge dieser absurden Art bekannt sind, laufen Sturm gegen diesen Vorschlag. Es ist wirklich sehr schade, dass man sich in wirklich nicht leichten Zeiten mit solchen undurchdachten Äußerungen beschäftigen muss, als gäbe es keine anderen Probleme, die man derzeit zu lösen hätte. Aber so wird es wohl immer sein, es muss immer Personen geben, die ins Rampenlicht möchten und drauf los reden, statt einfach mal vorher zu überlegen, was sie eigentlich sagen. Falls es keine unbedachte Äußerung war, sondern der Vorschlag wirklich ernst gemeint gewesen ist, bleibt an dieser Stelle nur zu sagen: Herr Bundesbank-Mitarbeiter, mein Mitleid ist Ihnen sicher!

Interessante Beiträge:
Rente mit 67 – Die Fakten sprechen kalr dagegen
Rente mit 67 bleibt. Basta.
Kein Wahlkampf mit der Rente
Rente mit 67 – Aus durch Wirtschaftskrise?

Wer braucht eigentlich noch Analysten?

Seit einigen Tagen bewegt sich der DAX wieder über der „magischen“ Grenze von 5.000 Punkten, und sofort gibt es wieder eine Menge von „Experten“, die schon das Ende der Wirtschaftskrise sehen. Manchmal kommt man sich vor, insbesondere dann, wenn man sich die Vergangenheit anschaut, als wenn hier nicht Experten ihre Meinungen äußern, sondern einfach nur Menschen, die von Berufswegen eben etwas sagen müssen, ob es nun belegbar ist, oder auch nicht. Der DAX zum Beispiel vollzieht schon seit Monaten rein Auf- und Ab zwischen den Marken von 4.000 und 5.000 Punkten, es scheint schon fast ein System dahinter zu stecken. Und auch hinter den Aussagen der Analysten scheint System zu stecken, denn wie einprogrammiert kommen bei einem DAX-Punktestand nahe der 4.000 Punkte-Marke schnell Aussagen wie „Die Rezession wird noch Jahre dauern“, während sofort bei Annäherung an die 5.000 Punkte Marke dann Aussagen wie „Ein Ende der Rezession ist in Sicht“ getätigt werden. Wieso kann eigentlich auch ein Analyst nicht einmal zugeben, dass die Wirtschaft und vor allem die Börse im Moment einfach total verunsichert sind, und das dieses Schwanken für so eine Situation völlig normal ist. Warum muss man also stets versuchen, etwas zu deuten und die Zukunft „vorher zu sagen“, wo objektiv nichts zu erkennen sein kann?

Wo waren denn die Analysten im Frühjahr 2008, kurz bevor die Finanzkrise richtig durch geschlagen hat? Zu diesem Zeitpunkt hat man nahezu keine Warnung vor einer drohenden Wirtschaftskrise gehört, zum Teil selbst dann nicht, als die Finanzkrise schon offensichtlich war. Und selbst wenn man Warnungen seitens der Analysten gehört hätte, gebracht hätte es dennoch nichts, weil man dennoch nichts von allen Geschehnissen hätte verhindern können. Es stellt sich daher wirklich die Frage, welchen Sinn und Zweck Analysten noch haben? Natürlich muss man etwas differenzieren, es gibt auch einige wenige Analysten, die wichtige Aufgaben wahrnehmen, wie zum Beispiel Unternehmen zu bewerten, damit diese selber vielleicht Anhaltspunkte finden, intern etwas zu verbessern. Was aber mit Sicherheit nahezu überflüssig ist, ist das Ausbreiten von Hypothesen, die dann nach außen hin als Fakten dargestellt werden, in Wirklichkeit aber eher einem Ratespiel gleichen. Denken Sie einfach mal selber kurz darüber nach: Was würden Sie ändern, oder was würde es Ihnen persönlich nützen, wenn Sie aufgrund einer Analystenaussage „wüssten“, dass die Rezession in einem Jahr beendet wäre? Würden Sie dann jetzt schon freudig im Hinblick auf eine rosige Zukunft konsumieren? Würden Sie Ihr Kapital anders als jetzt investieren? Wahrscheinlich nicht. Grundsätzlich wird derzeit immer auf die Bankberater geschimpft, dass diese nur noch Produkte verkaufen wollen und kaum noch objektiv beraten. Über die Analysten spricht man dagegen selten, weil Kritik an diesen offensichtlich nicht gerne gesehen ist. Dabei kann das Verbreiten von persönlichen Meinungen angesehener Analysten, die kaum durch Tatsachen belegt werden können bzw. durch andere Tatsachen genauso widerlegt werden können, viel größeren Schaden anrichten, als wenn ein Kunden in der Bank falsch beraten wird.

Passende Beiträge zum Thema:
Youtube und seine Analysten
Patriotismus unter Analysten?
Die Analysten zwischen zwei Stühlen
Wenn Analysten dichten
Analysten sind Deppen

Wettkampf um Opel

Nach wie vor ist Opel ein sehr spannendes Thema. Wer gewinnt das Rennen um Opel? Das ist die derzeit spannende Frage. Nachdem vor einigen Wochen schon fast fest zu stehen schien, dass die österreichisch-kanadische Firma Magna den Zuschlag für die Opel-Übernahme schon sicher hätte, scheint das Rennen per aktuellem Stand wieder völlig offen. Die „Immernoch-Muttergesellschaft“ General Motors bestätigte am Montag, dass es aktuell drei Interessenten gäbe, mit denen sie über die „Verteilung“ von Opel verhandeln würde. Dieses ist zum einen nach wie vor Magna, zum anderen sind aber auch noch der amerikanische Finanzinvestor RHJ und der chinesische Autobauer BAIC mit ihren Konzepten im Rennen. Allerdings wird inoffiziell bestätigt, dass die Chinesen wohl sehr geringe Chancen haben, da alleine die bisherige Jahresproduktion von rund 12.000 Fahrzeugen einfach zu gering ist, um das „Paket“ Opel Schultern zu können. Daher dürfte in den nächsten Tagen oder Stunden alles auf einen Zweikampf Magna gegen RHJ hinaus laufen. Jetzt fragt man sich als neutraler Beobachter sicherlich, wie groß hier die Objektivität sein kann, wenn ein amerikanischer Großkonzern sich entscheiden muss, ob er seine Tochter an einen ebenfalls amerikanischen Investor oder lieber an einen österreichischen Autozulieferer verkaufen soll.

Bei den Mitarbeitern, die das nervige Hin- und Her-Ziehen um Opel schon lange Leid sein dürften, und auch bei den meisten Politikern, wird der Autozulieferer Magna jedenfalls eindeutig favorisiert. Man befürchtet hier bei einer Übernahme durch RHJ vor allen Dingen, dass sich im Grunde nach der Übernahme gar nichts ändern würde, und Opel nach wie vor anhängig sein würde und GM vielleicht über den „Strohmann“ RHJ noch immer im Hintergrund die Fäden zieht. Eines wird aber eben durch dieses Streit und dieses Hick-Hack ganz deutlich: Opel ist sehr begehrt und das kann nur daran liegen, dass es sich von der Struktur her um ein gesundes und technologisch sehr fortschrittliches Unternehmen handelt. Während viele andere Unternehmen in der Vergangenheit aufgrund der Finanzkrise gejammert und um Staatshilfen gebettelt haben, obwohl sie bereits deutlich vor der Krise starke strukturelle Probleme hatten, kann man im Fall Opel wirklich sagen, dass dieses Unternehmen ein Opfer der Finanzkrise und vor allem ein Opfer eines völlig desolaten US-amerikanischen Unternehmens geworden ist. Eine Entscheidung wird seitens GM innerhalb der nächsten 10 Tage erwartet. Allerdings hält GM nur noch rund 35 Prozent an Opel, da rund 65 Prozent bereits seit Juni von einer staatlichen Treuhandgesellschaft gehalten werden. Somit hat die Bundesregierung wohl auch noch ein Wörtchen mit zu reden, was sicherlich keine Nachteil darstellt.

Den Beschäftigten von Opel bleibt jedenfalls zu wünschen, dass das Gezerre um „ihr“ Unternehmen bald ein Ende findet, damit man wieder klare Zukunftsaussichten hat. Es wäre schön, wenn ein solches, im Grunde gesundes, Traditionsunternehmen weiterhin in einer ähnlichen Form am Markt vertreten wäre. Auch für die Bürger unseres Landes ist es sicherlich nicht ganz unwichtig, dass man sich auch mit den Unternehmen hierzulande zumindest teilweise identifizieren kann, und nicht jedes Unternehmen bald einem amerikanischen, chinesischen oder russischen Konzern gehört.

Interessante Artikel:

Dreikampf um Übernahme von Opel
Warum die Opel Rettung noch lange dauert
Von mir aus kann Opel zum Teufel gehen
Opel hat seit Jahren nur Verluste gemacht