Arbeiten wir bald alle bis zu unserem Tod?
Es gibt nicht wenige Menschen, die sich Unsterblichkeit wünschen. Zu dieser Vielzahl von Menschen ist mit Sicherheit am gestrigen Dienstag noch mindestens eine Person hinzu gekommen, nämlich ein Mitarbeiter der Bundesbank. Dieser ließ tatsächlich verlauten, dass man in gut 50 Jahren das Rentenalter nochmals erhöhen müsse, und zwar bis zum 69. Lebensjahr. Würde man nun unsterblich sein, wäre doch hier ein deutlich höheres Potential gegeben, warum dann also nicht arbeiten bis man 100, 200 oder 300 Jahr alt ist? Oder um es aus heutiger Sicht zu sagen: Nur bis 69? Warum denn nicht einfach so lange arbeiten, bis man stirbt oder voll erwerbsunfähig ist und sich entweder körperlich kaum noch bewegen kann oder geistige Störungen hat. Etwas stutzig macht einen an solchen Vorschlägen oftmals, neben vielen anderen Merkwürdigkeiten, dass diese fast immer von Personen kommen, die in der glücklichen Lage sind, aufgrund ihres – nennen wir es mal: körperlich nicht besonders anstrengenden Jobs (Bundesbank)- überhaupt die Rentenzeit bis zum 65. Lebensjahr erfüllen zu können. Zwei Drittel aller Bundesbürger erreichen heutzutage gar nicht mehr die Rentenzeitgrenze von 65 Jahren, sondern sind bereits deutlich vorher berufsunfähig, arbeiten nur noch Teilzeit oder sind bereits im Vorruhestand. Und die wenigen Menschen, die wirklich körperlich und geistig noch so fit sind, dass sie es bis zum 65. Lebensjahr schaffen zu arbeiten, die sollen nun in Zukunft noch vier Jahre länger arbeiten?!
Das Leben ist kein Wunschkonzert, dass weiß wohl inzwischen Jeder. Aber muss man denn wirklich nur noch leben um zu arbeiten, oder sollte die Devisen nicht eigentlich lauten: Arbeiten um leben zu können? Es ist sicherlich kein schönes Gefühl, wenn man gerade mit durchschnittlich 22 Jahren seine Berufsausbildung abgeschlossen hat, in den Beruf einsteigt und weiß, man muss nun noch 47 Jahre arbeiten, bevor man in den dann sicherlich mehr als wohlverdienten Ruhestand gehen kann. Einmal von den moralischen und emotionalen Faktoren abgesehen: was bringt denn eine theoretische Rentengrenze von 69 Jahren, wenn in der Praxis schon jetzt beim Eintrittsalter von 65 Jahren nur noch ein Drittel aller Arbeitnehmer in Vollzeit beschäftigt sind? Da die Menschen ab 65 Jahren sicherlich nicht gesünder werden, dürften dann Schätzungen zufolge noch tatsächlich rund 10-15 Prozent das dann geltende Renteneintrittsalter von 69 Jahren überhaupt erreichen können. Ferner bedeutet das auch, auf Arbeit wartende Bürger, wie Arbeitslose oder Personen mit gerade abgeschlossener Ausbildung, müssten dann mal eben vier Jahre länger warten, bis sie den Arbeitsplatz eines ausscheidenden Rentners einnehmen können. Selbst die Politiker, die ansonsten auch schon einmal für Vorschläge dieser absurden Art bekannt sind, laufen Sturm gegen diesen Vorschlag. Es ist wirklich sehr schade, dass man sich in wirklich nicht leichten Zeiten mit solchen undurchdachten Äußerungen beschäftigen muss, als gäbe es keine anderen Probleme, die man derzeit zu lösen hätte. Aber so wird es wohl immer sein, es muss immer Personen geben, die ins Rampenlicht möchten und drauf los reden, statt einfach mal vorher zu überlegen, was sie eigentlich sagen. Falls es keine unbedachte Äußerung war, sondern der Vorschlag wirklich ernst gemeint gewesen ist, bleibt an dieser Stelle nur zu sagen: Herr Bundesbank-Mitarbeiter, mein Mitleid ist Ihnen sicher!
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