Bye Bye Porsche!
Am gestrigen Donnerstag wurde offiziell bestätigt, dass der Volkswagen Konzern den Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche übernehmen wird. Worüber bereits seit Wochen spekuliert wurde, ist nun – vor allen Dingen für die Mitarbeiter von Porsche und deren ehemaligen Chef – traurige Wahrheit geworden. Sehr emotional war auch die „Pressekonferenz“, in der Wendelin Wiedeking seinen Rücktritt bekannt gegeben hat. Bei aller Schelte von Managern dieser Tage sei an dieser Stelle einmal gesagt, dass mit Herrn Wiedeking endlich mal ein wirklich fähiger Mann an der Spitze eines Großunternehmens gewesen ist, der aus dem maroden Unternehmen Porsche innerhalb von gut 10 Jahren eine gesunde Automarke machte. Traurig ist aber auf jeden Fall, dass mit Porsche ein weiteres Traditionsunternehmen in Deutschland seine Eigenständigkeit aufgibt. Inwieweit das Unternehmen Porsche im Volkswagen Konzern relativ autark bleiben kann, bleibt noch abzuwarten, und wird ohnehin letztendlich von der Entscheidung des „allmächtigen“ Herrn Piech abhängen. Die Frage, die sich ebenfalls stellt, ist die nach der Professionalität auf höchster Ebene. Ein kurzer Rückblick: Noch vor nicht allzu langer Zeit hatte Herr Wiedeking vor, mit Porsche den Volkswagen Konzern zu übernehmen, was bekanntlich relativ „kläglich“ gescheitert ist und ganz nebenbei den Aktienmarkt bzw. den Derivatemarkt für einige Tage völlig aus dem Ruder geworfen hatte.
Jetzt hat Herr Piech des Spieß umgedreht und mit Volkswagen den Automobilhersteller Porsche übernommen. Man kann sich nicht ganz vor dem Eindruck flüchten, dass es hier nicht nur um wirtschaftliche Interessen ging, sondern um die Bestrafung eines Mannes, der den Volkswagen-Herrscher Piech „ankratzen“ wollte. Vielleicht fällt vielen Bürgern in diesem Zusammenhang auch der Vergleich zu zwei spielenden Jungs im Sandkasten an, die sich um ein Spielzeug Auto streiten, nur mit dem Unterschied, dass es in diesem Fall entsprechend dem Alter der Kontrahenten um echte Autos ging. Für Insider mag diese Übernahme sogar Sinn machen, denn neben der Nobelmarke Bentley, der gehobenen Marke Auto, dem Spanier Seat und einigen weiteren von nun insgesamt zehn Marken unter dem Volkswagen Dach, fehlte natürlich noch ein deutscher Sportwagen-Hersteller neben den Italienern Lamborghini und dem Franzosen Bugatti in der Sammlung. Dennoch sind natürlich die Mitarbeiter von Porsche nahezu allesamt und völlig verständlicher Weise sehr betrübt, denn natürlich geht ein großer Teil der Eigenbestimmung von Porsche nun verloren. Noch einen Tag zuvor konnte man mit breiter Brust sagen „Ich bin bei Porsche bechäftigt“. Nun muss es heißen „Ich arbeite bei Volkswagen“ – ob das ebenfalls so „toll“ klingt?
Grundsätzlich ist es natürlich aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, wenn sich Konzerne zusammen schließen, damit sie am Weltmarkt durch mehr Marktanteile und der gewachsenen Größe an sich bessere Chancen haben. Allerdings ist besonders in den letzten Jahren insgesamt festzustellen, dass die Übernahme von sehr großen Unternehmen fast zum Alltag geworden ist. Mit das jüngste Beispiel ist die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank. Das auch nach solchen Übernahmen die Existenz keineswegs sicher ist, zeigt das Beispiel Arcandor, denn die Übernahme von Karstadt ist auch noch nicht so lange her. Für den Verbraucher haben solche Groß-Übernahmen nicht unbedingt Vorteile, im Gegenteil, es wird immer ein Stück Wettbewerb aus dem Markt genommen. Man nehme nur den Bereich Kaufhäuser als Beispiel: Noch vor zehn Jahren gab es hier viele Konkurrenten, zum Beispiel Kaufhof, Karstadt, Hertie, Quelle, Woolworth etc.. Von diesen Kaufhäusern ist faktisch heute nur noch ein Anbieter am Markt „übrig“ geblieben, nämlich der Kaufhof. Woolworth ist pleite, ebenso Hertie, und Karstadt und Quelle sind mehr oder weniger ebenfalls insolvent. In der Praxis ist der Kaufhof also nahezu zu einem Monopolisten geworden.
Glücklicherweise gibt es aber heutzutage nicht nur die Möglichkeit, im Kaufhaus einzukaufen, sondern man findet sie dort angebotenen Waren auch anderweitig, sei es im Einzelhandel in kleineren Geschäften oder im Internet. Somit dürfte nicht zu befürchten sein, dass zum Beispiel der Kaufhof nun seine Monopolstellung durch höhere Preise ausnutzen könnte. Um auf Porsche zurück zu kommen: Natürlich ist durch die Übernahme durchaus keine Monopolstellung von Volkswagen zu befürchten, das steht wohl aufgrund der immernoch ausreichend am Markt vorhandenen Konkurrenz fest. Dennoch ist alleine am Beispiel Volkswagen ebenfalls deutlich zu sehen, wie immer mehr bekannte Automarken unter einem Dach „vereinheitlicht“ werden, sei es eben Porsche, Seat, Audi, Bentley, Bugatti, Skoda, Scania und Lamborghini. Wie es nun mit Porsche konkret weitergehend wird, muss die Zeit zeigen. Vorerst werden aber viele Menschen nur etwas wehmütig sagen können: Bye Bye Porsche!
Interessante Beiträge:
Porsche – das Ende der Ära Wiedeking
Eine Äre bei Porsche geht nun zu Ende
Zukunft von Porsche besiegelt