Wer braucht eigentlich noch Analysten?
Seit einigen Tagen bewegt sich der DAX wieder über der „magischen“ Grenze von 5.000 Punkten, und sofort gibt es wieder eine Menge von „Experten“, die schon das Ende der Wirtschaftskrise sehen. Manchmal kommt man sich vor, insbesondere dann, wenn man sich die Vergangenheit anschaut, als wenn hier nicht Experten ihre Meinungen äußern, sondern einfach nur Menschen, die von Berufswegen eben etwas sagen müssen, ob es nun belegbar ist, oder auch nicht. Der DAX zum Beispiel vollzieht schon seit Monaten rein Auf- und Ab zwischen den Marken von 4.000 und 5.000 Punkten, es scheint schon fast ein System dahinter zu stecken. Und auch hinter den Aussagen der Analysten scheint System zu stecken, denn wie einprogrammiert kommen bei einem DAX-Punktestand nahe der 4.000 Punkte-Marke schnell Aussagen wie „Die Rezession wird noch Jahre dauern“, während sofort bei Annäherung an die 5.000 Punkte Marke dann Aussagen wie „Ein Ende der Rezession ist in Sicht“ getätigt werden. Wieso kann eigentlich auch ein Analyst nicht einmal zugeben, dass die Wirtschaft und vor allem die Börse im Moment einfach total verunsichert sind, und das dieses Schwanken für so eine Situation völlig normal ist. Warum muss man also stets versuchen, etwas zu deuten und die Zukunft „vorher zu sagen“, wo objektiv nichts zu erkennen sein kann?
Wo waren denn die Analysten im Frühjahr 2008, kurz bevor die Finanzkrise richtig durch geschlagen hat? Zu diesem Zeitpunkt hat man nahezu keine Warnung vor einer drohenden Wirtschaftskrise gehört, zum Teil selbst dann nicht, als die Finanzkrise schon offensichtlich war. Und selbst wenn man Warnungen seitens der Analysten gehört hätte, gebracht hätte es dennoch nichts, weil man dennoch nichts von allen Geschehnissen hätte verhindern können. Es stellt sich daher wirklich die Frage, welchen Sinn und Zweck Analysten noch haben? Natürlich muss man etwas differenzieren, es gibt auch einige wenige Analysten, die wichtige Aufgaben wahrnehmen, wie zum Beispiel Unternehmen zu bewerten, damit diese selber vielleicht Anhaltspunkte finden, intern etwas zu verbessern. Was aber mit Sicherheit nahezu überflüssig ist, ist das Ausbreiten von Hypothesen, die dann nach außen hin als Fakten dargestellt werden, in Wirklichkeit aber eher einem Ratespiel gleichen. Denken Sie einfach mal selber kurz darüber nach: Was würden Sie ändern, oder was würde es Ihnen persönlich nützen, wenn Sie aufgrund einer Analystenaussage „wüssten“, dass die Rezession in einem Jahr beendet wäre? Würden Sie dann jetzt schon freudig im Hinblick auf eine rosige Zukunft konsumieren? Würden Sie Ihr Kapital anders als jetzt investieren? Wahrscheinlich nicht. Grundsätzlich wird derzeit immer auf die Bankberater geschimpft, dass diese nur noch Produkte verkaufen wollen und kaum noch objektiv beraten. Über die Analysten spricht man dagegen selten, weil Kritik an diesen offensichtlich nicht gerne gesehen ist. Dabei kann das Verbreiten von persönlichen Meinungen angesehener Analysten, die kaum durch Tatsachen belegt werden können bzw. durch andere Tatsachen genauso widerlegt werden können, viel größeren Schaden anrichten, als wenn ein Kunden in der Bank falsch beraten wird.
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