Die große Kreditklemme

Eines der beherrschenden Themen im Bereich Finanzen und Wirtschaft, welches natürlich auch die Politik beschäftigt, ist die derzeitige Kreditklemme. Damit ist gemeint, dass die Banken nur sehr eingeschränkt Kredite vergeben. Es handelt sich dabei verständlicher Weise um ein sehr emotionales Thema, denn die betroffenen Firmen bangen wirklich zum Teil um ihre Existenz. Auch wenn die Kritik an den Banken oftmals etwas überzogen und auch zum Teil unberechtigt ist, und man allzu leicht geneigt ist, auf den „Banken-Beschimpfen-Zug“ mit auf zu springen, so ist die Kritik an dieser Stelle doch sehr berechtigt. Natürlich ist es die Aufgabe der Banken sehr genau zu prüfen, an wen man einen Kredit vergeben darf und an wen nicht. Allerdings wurde dieses in der Vergangenheit nachweislich oftmals viel zu locker gehandhabt, was bedeutet, es haben viel zu viele Kunden und Unternehmen ein Darlehen bekommen, was sie niemals hätten erhalten dürfen, Stichwort Immobilienkrise und massenhafte Zwangsversteigerungen, weil die Kreditnehmer ihre Raten nicht mehr zahlen können. Momentan ist die Situation genau umgekehrt, denn es hat auf jeden Fall den Anschein, dass die Banken derzeit zum Teil völlig gesunden Unternehmen einen Kredit verwehren, wofür es keinen objektiven Grund gibt.

Es wird seit einigen Wochen anhand von Beispielen berichtet, wo Kredite abgelehnt oder nicht verlängert wurden. So auch bei einer kleinen Boutique in einem Kölner Stadtteil. Die Inhaberin hatte mit ihrer Hausbank schon seit zwei Jahrzehnten eine sehr positive Geschäftsbeziehung, das Geschäft hat stets Gewinn eingebracht und es gab keine Probleme. Sogar mehrere erhaltene Darlehen wurden völlig ordnungsgemäß in der Vergangenheit zurück gezahlt. Als die Inhaberin jetzt aber ein Darlehen benötigte, um einen Wareneinkauf vor zu finanzieren, also ein ganz alltäglicher Vorgang im Handelsbereich, wurde dieses Darlehen nicht genehmigt. Dabei ging es lediglich um einen Betrag von 5.000 Euro, den die Inhaberin von der Bank haben wollte. Auch die wirtschaftliche Situation ihres Geschäftes hatte sich keineswegs zum Negativen gewendet. Kritikflut an den Banken hin oder her – aber dieses Beispiel zeigt deutlich, dass in nicht wenigen Fällen die Kritik auch wirklich berechtigt ist und sich Banken zum Teil immernoch zu viel erlauben können. Die Betroffene, und sicherlich auch viele andere Bürger, fragen sich in diesem Fall mit Recht, wieso Banken eigentlich das Recht haben, solche Kredite abzulehnen? Natürlich kann jede Bank vom Grundsatz her selbst entscheiden, wer ein Darlehen bekommt oder nicht. Aber dennoch haben die Banken auch eine Aufgabe wahrzunehmen, nämlich die Bevölkerung, und vor allen Dingen die kleineren und mittleren Unternehmen, mit Krediten zu versorgen. Genau zu diesem Zweck bekommen sie nämlich derzeit das Geld von der EZB quasi geschenkt, weil nur ein Zinssatz von einem Prozent gezahlt werden muss.

Die Kreditklemme besteht also derzeit bereits und droht noch größer zu werden. Aus diesem Grunde wird seitens der Politik auch immer lauter darüber nachgedacht, die Banken zur Kreditvergabe in bestimmten Fällen zu zwingen, oder aber, den Kredit direkt von der EZB an die Kunden zu vergeben, unter Ausschluss der Geschäftsbanken. Auch wenn Zwangsmaßnahmen natürlich generell eher negativ für eine Wirtschaft sind, so kann man in diesem Fall sagen, wer sich so stur und unzugänglich für Argumente wie manche Banken derzeit zeigt, der hat es wirklich nicht mehr anders verdient.

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