Schlecker im Fadenkreuz
Von der Drogeriemarkt-Kette Schlecker ist man aus der Vergangenheit heraus schon negative Schlagzeilen gewöhnt. Schon öfter wurde in den Medien über zum Teil unzumutbare Verhältnisse für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen berichtet. Seit einigen Monaten ist nun Schlecker damit beschäftigt, sich von kleinen und unrentablen Filialen zu trennen. Diese werden teilweise durch die neuen Schlecker XL-Märkte ersetzt. Wo man zunächst vermuten könnte, dass Schlecker nun mit einem neuen Konzept verlorene Marktanteile durch andere Produkte oder sonstige Innovationen wieder zurück gewinnen möchte, stellt sich immer mehr heraus, welches Ziel die Unternehmensführung anscheinend in erster Linie mit den neuen Filialen und dem neuen Namen „Schlecker XL“ verfolgt. Wurde schon zuvor im Februar diesen Jahres darüber berichtet, dass die Quote der Abmahnungen bei der Drogeriemarkt-Kette im Vergleich zu anderem Unternehmen der Branche relativ hoch ist, so scheint Schlecker nun einen „leiseren“ Weg finden zu wollen, „ungeliebte“ Mitarbeiter los zu werden. Dabei bedeutet „ungeliebt“ nicht einmal fachlich nicht ausreichend qualifiziert oder motiviert, sondern anscheinend in erster Linie einfach nur „zu teuer“.
Während Schlecker im Jahre 2008 einen Umsatzrückgang von rund drei Prozent verbuchen musste, sind die Zahlen von Konkurrent „dm“ mit 11,4 Prozent und Rossmann mit plus 10,3 Prozent deutlich positiver. Was man sich nun bei Schlecker überlegt hat ist Folgendes: Man gründet eine GmbH, die man vom bisherigen Unternehmen Schlecker rechtlich trennt und nun als „Schlecker XL“ Märkte bezeichnet. In Folge dessen kann man die Mitarbeiter aus den „alten“ Schlecker Filialen entlassen und muss diese auch nicht in die neuen Schlecker XL-Märkte übernehmen. Vorteil: Statt einen bisherigen Stundenlohn von rund 8-10 Euro zu zahlen, strebt Schlecker nach Berichten und Aussagen einiger Mitarbeiter nun einen kontinuierliche Bezahlung von rund 4-5 Euro in der Stunde an. Damit wird die Mindestlohnregelung aufgrund der fehlenden Tarifbindung umgangen. Unterstützt wird die Theorie, dass der Hauptgrund für diese neu geschaffene GmbH eben genau darin besteht, relativ „gut“ bezahlte Mitarbeiter durch deutlich schlechter bezahlte neue Mitarbeiter zu ersetzen, durch die Tatsache, dass das Sortiment in den neuen Schlecker XL Märkten fast identisch mit dem bisherigen Sortiment der „normalen“ Schlecker-Märkte ist. Ferner werden die neuen Märkte nicht selten am identischen Standort wieder aufgebaut. Wenn man nun bedenkt, dass ein Markt mit durchschnittlich fünf Mitarbeiterinnen im Monat durch die „Lohnkürzung“ rund 4.000 Euro monatlich an Personalkosten sparen kann, werden sich auch die Um- oder Neubaumaßnahmen der jeweiligen Filiale schnell rentiert haben.
Natürlich wird der Druck auf die Mitarbeiter durch die getroffenen Maßnahmen noch mehr erhöht, ohnehin ist die Anzahl der Zeitarbeiter bei Schlecker in der Vergangenheit schon stark gestiegen. Daher werden sich viele Mitarbeiterinnen leider darauf einstellen müssen, durch einen Vollzeit-Job bei Schlecker nicht genug zum Bestreiten des Lebensunterhaltes verdienen zu können. Daher werden nicht wenige Mitarbeiter zusätzlich noch Wohngeld oder Hartz4 beantragen müssen. Grundsätzlich ist es ein Skandal, dass solch ein Lohn-Dumping in Deutschland möglich ist. Man kann aber natürlich auch die Mitarbeiter verstehen, die Angst um ihren Job haben und sich dagegen nicht wirklich wehren können. Zumindest der Kunde und Verbraucher hat noch Möglichkeiten, seinen Unmut über solche Vorgehensweisen durch Taten zu äußern, denn glücklicherweise ist Schlecker kein Monopolist in seiner Branche!
P.S.
“Nach eigenen Angaben der SCHLECKER XL GmbH bewegt sich der Stundenlohn für ihr Verkaufsstellenpersonal zwischen 6,78 Euro und 13,- Euro und liegt somit sogar über den Stundenlöhnen einschlägiger Mitbewerber.”