Wettkampf um Opel

Nach wie vor ist Opel ein sehr spannendes Thema. Wer gewinnt das Rennen um Opel? Das ist die derzeit spannende Frage. Nachdem vor einigen Wochen schon fast fest zu stehen schien, dass die österreichisch-kanadische Firma Magna den Zuschlag für die Opel-Übernahme schon sicher hätte, scheint das Rennen per aktuellem Stand wieder völlig offen. Die „Immernoch-Muttergesellschaft“ General Motors bestätigte am Montag, dass es aktuell drei Interessenten gäbe, mit denen sie über die „Verteilung“ von Opel verhandeln würde. Dieses ist zum einen nach wie vor Magna, zum anderen sind aber auch noch der amerikanische Finanzinvestor RHJ und der chinesische Autobauer BAIC mit ihren Konzepten im Rennen. Allerdings wird inoffiziell bestätigt, dass die Chinesen wohl sehr geringe Chancen haben, da alleine die bisherige Jahresproduktion von rund 12.000 Fahrzeugen einfach zu gering ist, um das „Paket“ Opel Schultern zu können. Daher dürfte in den nächsten Tagen oder Stunden alles auf einen Zweikampf Magna gegen RHJ hinaus laufen. Jetzt fragt man sich als neutraler Beobachter sicherlich, wie groß hier die Objektivität sein kann, wenn ein amerikanischer Großkonzern sich entscheiden muss, ob er seine Tochter an einen ebenfalls amerikanischen Investor oder lieber an einen österreichischen Autozulieferer verkaufen soll.

Bei den Mitarbeitern, die das nervige Hin- und Her-Ziehen um Opel schon lange Leid sein dürften, und auch bei den meisten Politikern, wird der Autozulieferer Magna jedenfalls eindeutig favorisiert. Man befürchtet hier bei einer Übernahme durch RHJ vor allen Dingen, dass sich im Grunde nach der Übernahme gar nichts ändern würde, und Opel nach wie vor anhängig sein würde und GM vielleicht über den „Strohmann“ RHJ noch immer im Hintergrund die Fäden zieht. Eines wird aber eben durch dieses Streit und dieses Hick-Hack ganz deutlich: Opel ist sehr begehrt und das kann nur daran liegen, dass es sich von der Struktur her um ein gesundes und technologisch sehr fortschrittliches Unternehmen handelt. Während viele andere Unternehmen in der Vergangenheit aufgrund der Finanzkrise gejammert und um Staatshilfen gebettelt haben, obwohl sie bereits deutlich vor der Krise starke strukturelle Probleme hatten, kann man im Fall Opel wirklich sagen, dass dieses Unternehmen ein Opfer der Finanzkrise und vor allem ein Opfer eines völlig desolaten US-amerikanischen Unternehmens geworden ist. Eine Entscheidung wird seitens GM innerhalb der nächsten 10 Tage erwartet. Allerdings hält GM nur noch rund 35 Prozent an Opel, da rund 65 Prozent bereits seit Juni von einer staatlichen Treuhandgesellschaft gehalten werden. Somit hat die Bundesregierung wohl auch noch ein Wörtchen mit zu reden, was sicherlich keine Nachteil darstellt.

Den Beschäftigten von Opel bleibt jedenfalls zu wünschen, dass das Gezerre um „ihr“ Unternehmen bald ein Ende findet, damit man wieder klare Zukunftsaussichten hat. Es wäre schön, wenn ein solches, im Grunde gesundes, Traditionsunternehmen weiterhin in einer ähnlichen Form am Markt vertreten wäre. Auch für die Bürger unseres Landes ist es sicherlich nicht ganz unwichtig, dass man sich auch mit den Unternehmen hierzulande zumindest teilweise identifizieren kann, und nicht jedes Unternehmen bald einem amerikanischen, chinesischen oder russischen Konzern gehört.

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